Jul – Jól – Jõulud – Yule – Joel - Jööl

Jul – Jól – Jõulud – Yule – Joel - Jööl

Weihnachten feiern wir hier allerorten, dabei müsste es eigentlich „Weihenächte“ heißen, denn Jul ist ein Festtag in der Julzeit. Die Christianisierung vieler Heiden verlief oft nur oberflächlich, denn die Menschen hielten noch stark an ihre alten Bräuche und Riten fest. So wurden vermutlich einige christliche Feiertage denen der Heiden angeglichen, um ihnen eine Verbindung zu ihrem alten Glauben zu geben. Weihnachten geht dem zu Folge auf das heidnische Sonnwend zurück. An diesem Tag wird die Winter Tag- und Nachtgleiche gefeiert, also der Beginn des neuen Sonnenjahres.

JUL ist ein Fest des Lichtes, der Freude und der Hoffnung – es bildet den Höhepunkt der dunklen Zeit, und in dieser längsten Nacht des Jahres erfüllt sich das Versprechen der Wiedergeburt.

Die Sonne hat am Julmond um den 21./22. Dezember den tiefsten Stand, was bedeutet, dass diese Nacht die längste des Jahres ist. Ab nun werde die Tage wieder länger und die Sonne gewinnt wieder an Kraft und wird bald das Leben, das starr ihm Boden ruht, zu neuem Leben erwecken.

Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft
ich atme ein den verlockenden Duft
Yulezeit ist da, Yulezeit ist da
Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht
die Sonne wendet und Balder erwacht
Stellt das Sonnenrad auf, stellt das Sonnenrad auf

Der Tannenbaum in seiner Pracht
Der Yuleast lodert hell durch die Nacht
Stimmungsvolle Ruh, stimmungsvolle Ruh

Das Licht am Himmel die Hoffnung bringt
und Thor wild seinen Hammer schwingt
Kraft fürs kommende Jahr, Kraft fürs kommende Jahr

Frey und Freyas Sinnlichkeit
Bringt Liebe, Lust und Fruchtbarkeit
Leben wird weitergehn, Leben wird weitergehn

Oh, Wintersonne das Fest für sie
Med, Korn und das Blut unsere Gaben an sie
Auf ewige Wiederkehr, auf ewige Wiederkehr

 

Noch heute wird in den nordeuropäischen Ländern wird das Julfest gefeiert, welches auch als Fest der Wintersonnnenwende bzw. als das skandinavische Weihnachtsfest Jul bekannt ist. Beim modernen Julfest sind keltische, christliche und Naturbräuche zu einem einzigen Fest verschmolzen, bei dem das neugeborene Licht in der längsten Nacht des Winters im Mittelpunkt steht.

Rückkehr von Sonne und Licht -  Neubeginn

Das Julfest war ein altgermanisch-keltisches Fest zur Wintersonnenwende. An diesem Tag wurde die Rückkehr von Sonne und Licht ausgiebig und vermutlich wild gefeiert. Das alte Julfest wurde zu Ehren Odin abgehalten. Später ist das Julfest mit dem christlichen Weihnachtsfest verschmolzen.

Die Wintersonnenwende und die folgenden Rauhnächte galten für die germanischen und keltischen Völker als magischer Wendepunkt und Neubeginn. Für die Nordgermanen spielte das Licht und seine Wiederkehr eine bedeutende Rolle. Der harte und kalte Winter war eine Zeit der Entbehrungen, die es zu überleben galt. Zur Wintersonnenwende wurde eine Art Wiedergeburt der Natur und aller Lebensgeister gefeiert und erbeten. An keinem anderen Tag steht die Sonne so tief wie zur Wintersonnenwende. Auch beim christlichen Weihnachtsfest geht es um eine Geburt des Lichts in dunkler Nacht. Dass beim Julfest verschiedene Kulturen und Religionen zu einem einzigen Fest verschmolzen sind, ist das Besondere an dieser nordeuropäischen Tradition.

Antike Geschichtsschreiber berichteten von großen Festessen und Spielen der Germanen in der Winterzeit. Aus dem 6. Jahrhundert gibt es die Kunde, dass die Menschen des Nordens Boten auf ihre höchsten Berge schickten, um nach der Sonne Ausschau zu halten. Zur Wiederkehr der Sonne sollen Feuer entzündet worden sein. Brennende Räder wurden symbolisch ins Tal hinab gerollt – Julräder, welche den Lauf der der Sonne (Sunna) symbolisierten. Das aus Stroh geflochtene Rad, früher ein Keltenkreuz, wird angezündet und im Schnee vor sich her gerollt.

Am Julfest isst die Familie gemeinsam und beschenkt sich. Die Geschenke heißen "Julklapp" und sind in Papier eingewickelt. Der Beschenkte muss den persönlichen Vers am Geschenk vorlesen, bevor er es auspacken darf. Das Julfest ehrt auch unsere Ahnen und Ahninnen, nicht nur in der Mütternacht vor Jul, sondern auch zum Fest, in dem an der Festtafel ein Stuhl und ein gedeckter Platz für sie frei gehalten wird, damit sie sich - auch in Form eines Überraschungsgastes - zu uns gesellen können.

Wintersonnenwende und Rauhenächte – Neubeginn und Ende der dunklen Tage

Die Menschen von damals lebten sehr im Einklang mit der Natur und dem Verlauf der Jahreszeiten. So war die Wintersonnwende und die darauf folgenden 12 Rauhnächte besonders bedeutsam für sie, denn sie bedeuteten das Ende der kalten und kurzen Tage.  Besonders die Winter waren damals noch sehr viel härter als heute, vor allem wenn man hauptsächlich von Ackerbau und Viehhaltung lebt. Im Winter lebten sie von den Vorräten, die sie im Sommer angelegt hatten, wenn diese nicht ausreichten, wurde es schnell lebensbedrohlich. So kann man sicher nachvollziehen, dass es ein Grund zu feiern war, dass nun die Kraft der Sonne Tag für Tag wieder zunehmen wird.

Ursprünglich hatte das Julfest also einen heidnischen Ursprung. Natur- und Wintergeister sowie der germanische Göttervater Odin oder Wodan wurden angebetet. Am Julfest wünscht man sich "God Jul", was so viel wie "Frohe Weihnachten" bedeutet.

Der fränkische Kaiser Karl der Große, der das Christentum in Europa mit dem Schwert verbreitete, verbot im Jahr 800 das heidnische Julfest bei Todesstrafe und ersetzte es durch das christliche Weihnachtsfest. Das Julfest lies sich jedoch nicht so ohne weiteres ausrotten, ebenso wenig wie die Riten und Bräuche, die mit den auf das Julfest folgenden Rauhnächten einhergingen.

germanisches Erbe und „arteigenes Brauchtum“

Große Feste an bedeutsamen Punkten im Jahr waren immer schon von besonderem Interesse für jene, die an der Macht sind. Daher wurde das auf das christliche Weihnachten umgeformte Julfest in vom Nationalsozialismus wieder entdeckt. Man versuchte die Vorstellungen eines „germanischen Erbes“ zu nutzen.
Das Weihnachtsfest sollte nunmehr durch eine nationalsozialistische Interpretation eines „altgermanischen“ Julfestes ersetzt werden. Ab 1935 gab es Dienstanweisungen der Parteistellen, Veröffentlichungen und Schulungsunterlagen verschiedener Organisationen und Staatsorgane.
So sollte der Christbaum in „Jultanne“ umbenannt werden und Frau Holle sollte den „Nikolaus“ und das „Christkind“ als Gabenüberbringerin ablösen. Hakenkreuz bzw. Sonnenrad aus Goldpapier sollten christliche Symbole wie Kreuz und Weihnachtsstern als Weihnachtsschmuck ersetzen.

Nach dem Krieg und dem Ende des NS-Regimes kehrten die Menschen ganz schnell wieder zu den gewohnten Benennungen und Bräuchen zurück, die sie, wie bereits davor für christlich hielten.

Ruhe, Achtsamkeit, Gemeinschaft

Die Wintersonnenwende, das Julfest und die darauf folgenden Rauenächte sollten wieder mit ihren Grundwerten und positiven Ursprung, der Freude, der Gemeinschaft, der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Zukunft, der Achtung der Ahnen und dem Brauchtum im Vordergrund gesehen werden.

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