Modrahnet - die Mütternacht

In der Nacht vor der Wintersonnenwende leitet die Modrahnet  - die Mütternacht - die heiligsten Tage der Julzeit ein. Geweiht ist sie den Müttern, den Dísen, den weiblichen Ahnen, den Göttinnen und allen Frauen als Geburts-, und Schlachthelferinnen und Schutzgeistern.

Beda Venerabilis verfasste dazu im Jahr 725 im De temporum ratione, Kapitel 13 in lateinischer Schrift: „Sie begannen aber das ganze Jahr vom achten Tage vor den Kalenden des Januars, wo wir jetzt den Geburtstag des Herrn feiern und diese Nacht, jetzt uns heilig, nannten sie damals in heidnischer Bezeichnung modraneht, das ist der Mütternacht, wie wir vermuten, der Gebräuche wegen, die sie durchwachend ausüben."

Nornen, Schicksalsfrauen – Leben und Tod

Die hier erwähnten Mütter sind wohl die Nornen oder auch Disen, die Schicksalsfrauen, aus denen die neue Zeit anhebt. Die Nornen (Nornier, Nornir nord. „Raunende”) sind die germanischen Schicksalsgöttinnen und Geburtshelferinnen, die den Schicksalsfaden der Menschen und Götter spinnen.  Urd, Norne der Vergangenheit. Ihr Name bedeutet so viel wie "Schicksal" bzw. "Gewordene". Sie ist eine alte Frau, die ständig über ihre Schulter in die längst vergangene Zeit zurückblickt. Verdandi, Norne der Gegenwart. Ihr Name bedeutet "Gegenwart" bzw. "Seiende". Sie hat die Gestalt einer jugendlichen Frau, deren Blick immer nach vorne gerichtet ist. Und Skuld, die Norne der Zukunft. Ihr Name ist gleichbedeutend mit "Zunkunft" bzw. "Werdende". Sie ist, im Gegensatz zu "Urd" und "Verdandi", als unberechenbare Macht, die keine Liebe zu den Menschen und Göttern hegte, angesehen und hat ein sehr hitziges Temperament. Sie trägt einen Schleier und in jeder Hand ein ungeöffnetes Buch oder eine zusammengerollte Schriftrolle. Ihr Blick ist stets in die entgegengesetzte Richtung von "Urds" Blick gerichtet.

Die Wohn- und Wirkungsstätte von Urd, Verdandi und Skuld befindet sich am Urdbrunnen an einer der Wurzeln Yggdrasils. Auf dem Wasser des Brunnens schwimmen zwei weiße Schwäne. Es sind die heiligen Tiere der Nornen, welche mit ihrem weißen Gefieder die Reinheit und Schuldlosigkeit der Nornen symbolisieren.

Die Nornen gießen täglich den Weltenbaum und bewahren ihn vor Fäulnis. Sie bewachen außerdem den Fenriswolf.

Die Nornen zählen zu den Disen, mythische weibliche Schutzgeister, welche den Menschen meist im Traum erscheinen.

Und so lag um diese Zeit im nordischen Brauchtum das Disding mit dem Disablót, dem Opfer an die Diesen, das zugleich ein Opfer an die Toten bedeutete. So wie Frau Holle in anderer Bezeichnung die Hel darstellte und der Storch der Seelenvogel war, so standen auch die "Mütter" als Lebensbringerinnen und Schicksalsfrauen mit den Toten in Verbindung. Leben und Tod sind im ganzen germanischen Brauch eng miteinander verwoben.

Noch immer gibt es in verschiedenen Regionen die Tradition, zur Wintersonnenwende den„Drei Schwestern / Mägden”, den „Heiligen Schwestern” bzw. den „Saligen Fräulein”, also den Nornen abends eine Schale mit Milch oder Milchreis zu füllen und über Nacht stehen zu lassen. Auch die sogenannten Heiligen Drei Könige, welche in dieser Form gar nicht in der Bibel vorkommen, weder als „Heilige“, noch als Könige, sind demnach die christliche Umdeutung. Das Brauchtum rund um „drei Frauen” war jedoch der christlichen Kirche ein Dorn im Auge.
Etwa 650 n.d.Z. hat der Heilige Eligius von Noyon unermüdlich davor gewarnt „zur Nacht Tische zu rüsten und für die Drei Speisen bereit zu stellen”.
Noch im 11. Jahrhundert war eine der Beichtfragen des Bischof Burchard von Worms: „Hast du, wie manche Weiber es zu gewissen Zeiten zu tun pflegen, zu Hause einen Tisch aufgestellt mit Speis und Trank, damit jene drei Schwestern, die man in alten, törichten Zeiten Nornen nannte, kämen und davon genössen?”

Wildes Heer, Rauhnacht und Perchten

Wenn die Toten hinter Wodan oder hinter Frau Holle im wilden Heer über die Erde ziehen, dann gehen auch die Mütter um. Im Perchtenlauf zu Rauhnacht und am Epiphaniastag ist ihr Umlauf erhalten.

Im Norden geht der "Jultog" oder "Julefolk" durch das Land, bei uns vor allem aber der „Perchtenzug“, der wie im späteren Brauchtum allerlei merkwürdige Gestalten mitführt: zweibeinige Pferde ohne Kopf oder drei- oder achtbeinige Pferde als vermutlicher Verweis auf Sleipnir. Man kleidet sich in Wolfs- und Bärenfelle, der Wolf erinnert an den Fenriswolf und jenen, welcher im Märchen Rotkäppchen (also das Licht, die Mondsichel) verschlingt. Auch der Bär ist bis zu dem heutigen „Fastnachtszug“ eine bekannte Gestalt, die nichts anderes als das winterliche Dunkel bedeutet, mit dem das Licht jetzt um den sicheren Sieg ringen muss. Auch der Storch darf nicht fehlen, Frau Holles Tier, der Adebar. In Brandenburg, Pommern und Ostpreußen sind solche Umzüge in der Vorweihnachtszeit bis in die Fasnachzeit hinein (Zempern gehen) noch üblich, in Tirol, Kärnten und im Alpenraum ebenfalls.

Schon der Name der Perchten, der "Leuchtenden", "Glänzenden" bringt zum Ausdruck, dass sie eigentlich nicht der Kinderschreck sind, zu welchem sie in der allemanischen Fasnet, die alte "Perchta" in Kärnten und die "Thomasberta" in Nordbayern gemacht wurden. Die Perchten sind doppelgestaltig, wie Frau Holle, die Zeit, die ihr Vorbild ist. In der Rauhnacht stürmen sie zu zwölfen in dunklen Fellen mit häßlichen, dunklen Holzmasken unter dem Gelärm von Kuhglocken, Brummtöpfen und "Teufelsgeigen"auf ihren Schneeschuhen durch Dorf und Feld, vom Fackellicht beschienen und von allerhand vermummten Gestalten, wie sie oben geschildert sind, begleitet.

Am folgenden Tag aber schreiten sie feierlich, voran ein Burschenpaar als Mann und Frau mit einem strahlenden Kopfputz und der herrlichen großen Sonnenmaske als schöne Perchten durch den Ort und über die Flur. Hinter sich führen sie die gefesselten, "schiachen" Perchten, die sie besiegten, wie die Sonne jetzt die dunkle Zeit überwand, die die ganze Welt zur neuen Blüte führen wird. Darum werfen sie den Umstehenden auch Fruchtbarkeitbilder zu, Wickelkindpuppen, und führen einen Bock mit sich im Zug.

So ist es heute in versteckten Winkeln Bayerns und in Tirol noch Brauch. Hier und da sind die Zahlen allerdings verschieden, dann werden aus zwölf "schiachen" und zwölf schönen Perchten drei schöne und drei "schiache", so das wider der Monat mit seinen drei lichten und der einen dunklen Mondwoche mit dem Zwölf-Monats-Jahr abwechselt. Es ist die neue Zeit, das junge Jahr, das vom alten heraufgeführt wird, wie die häßlichen Perchten als Sinnbilder der vergangenen Monate noch vor dem strahlenden Paar, das Ausdruck des Neuanfangs des Lebens ist, Dorf und Flur durchziehen.

Frigg - obersten Göttin Asgards, Odins Gemahlin

Die Modrahnet oder auch Mōdraniht ist Frigg geweiht, der obersten Göttin Asgards, Odins Gemahlin, der Schützerin all unserer Pfade, der Hüterin der Geheimnisse. 

Frigg ist hellsichtig, sieht das Geschick aller Geschöpfe und kann - des Seidr mächtig - eingreifen, wenn sie will: Der Faden, der von den Nornen gewebt, gemessen und geschnitten wird, stammt von Friggs Spindel. Sie webt nicht nur die Wolken (und damit dem übereingehenden Bezug zu Frau Holle bzw. Perchta), sie spinnt die Grundlage für unser ganzes Handeln und Sein! Frigg kann ihre Gestalt wandeln, sie hört die Gebete und Wünsche der Menschen und als Göttin der sturmgejagten Wolken erscheint sie als wilde Jägerin, als Windsbraut, die zur Zeit der Wintersonnenwende nachts durch die Luft tobt und Seite an Seite mit ihrem göttlichen Gemahl Odin die wilde Jagd anführt.

Frigg ist Ehefrau, Mutter und ist geduldige Beraterin ihres Göttergatten: sie besänftigt ihn, wenn er wütende, unüberlegte Entscheidungen treffen will und sie setzt ihren Willen durch, wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. 

Modraneht – Besinnung und Bestätigung

Wie genau unsere Altvorderen die Modraneht begingen, welche Rituale oder Opfer zum Fest gehörten, ist nicht überliefert. Teils findet sich der Hinweis, dass die Mütternacht durchwacht wurde. Man holt sich die Bestätigung der Mütter und Ahnen über die vergangene Zeit.

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